Boeser Traum

Ich hatte einmal einen Traum:
Ich sitz genervt im Probenraum
und langeweil mich wie ein Lurch,
da kommt ein Anruf für mich durch.
Am Telefon ist Ulrich Wickert.
Es sei nach Hamburg durchgesickert,
sagt er, (ich schweig mucksmäuschenstill),
ich sei ein Fan von Anne Will.
„Würd es Sie nicht mal int´ressieren,
die Tagesthemen zu soufflieren?“
fragt mich der große Medienherr,
und schwups bin ich beim NDR.

Ich irre durch ein Labyrinth
hellblauer Flure und befind
mich plötzlich lampenlichterloh
im Tagesthemen-Studio.
Die Sendung läuft schon längst und live,
ich schwitz und fühl mich urlaubsreif...
Als „Vorsicht-Kamera“-Versteck
such ich nervös ein dunkles Eck
und überlege angestrengt:
„Wie krieg ich mit, wann Anne hängt?!?“

Die Fernsehfee spricht wie gedruckt,
liest flüssig, fehlerfrei und zuckt,
so argusäugig ich auch schaue,
nur mit der linken Augenbraue.
Auf einmal unterbricht sie sich
und richtet ihren Blick auf mich...
Mein Herz schlägt einen Purzelbaum,
ich wünsch, das wär nur ´n boeser Traum
und blättre wild in meinem Text,
will helfen, doch ´s ist wie verhext,
das Manuskript, merk ich voll Schreck,
ist´s Kochbuch von Herrn Bioleck...!

Ich kriege keinen Ton heraus
und möchte schnurstracksschnell nach Haus.
Herr Wickert hilft mir aus der Patsche:
Es stört, wenn ich dazwischenquatsche,
meint er, Soufflier´n macht zu viel Krach!
Er bringt mich raus, und ich erwach
und denk, das hab ich schön versiebt...
Gut, daß es Teleprompter gibt!

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