Die Bremer Stadtmusikanten

Ein Esel hatte Huckepack
Getreide- um Getreidesack
zur Mühle, ohne je zu klagen,
sein Eselleben lang getragen.
Als er nun in die Jahre kam,
da ward er seinem Herrn zu lahm,
und der missgönnte es dem Grauen,
sein Gnadenbrot bei ihm zu kauen.

Doch eh der Mann den Schlachter rief,
begriff der Esel instinktiv:
Es wehte hier kein guter Wind!
Und so beschloss er: "Ich verschwind!
Bin zwar ein bisschen altersschwach,
weiß aber bestens, was ich mach:
Ich fliege Henkersbeil und Land
und werd in Bremen Musikant!"
Er liebte sehr das Lautenspiel,
und sicher, dachte er, gefiel
der städtischen Kapelle da
ein richtig rassiges "I-A".

So trabte er von dannen und
stieß kurz darauf auf einen Hund,
der hechelte aus vollem Hals
und schaute aus der Wäsche, als
ob er komplett am Ende wär.
"Was jappst und schnaufst denn du so schwer?",
erkundigte der Esel sich.
Der Rüde jaulte jämmerlich:
"Ich bin zu alt und schwach zum Jagen,
drum will mein Herrchen mich erschlagen.
Da habe ich Reißaus genommen!
Wie soll ich nun zu Knochen kommen?"

Der Esel sprach: "Lass dich in Bremen
wie ich als Musikus annehmen!
Du bist bestimmt noch ein agiler
und schlagkräftiger Paukenspieler."
Worauf der Hund begeistert bellte
und sich zum Eselchen gesellte.

So gingen sie gemeinsam weiter,
der Grauschimmel und sein Begleiter.
Bald trafen sie auf eine Katze
am Wegesrand, die zog 'ne Fratze
wie dreißig Tage Regenwetter.
"Was guckst du nicht ein bisschen netter?",
ließ sich der Esel an zu fragen.
Sie sprach: "Mir geht es an den Kragen,
weil ich nicht mehr die Jüngste bin.
Sitz hinterm Ofen, schnurr und spinn,
geh nicht auf Mäusejagd, nein, gähne,
bekomm allmählich stumpfe Zähne.
Ersäufen wollte mich mein Frauchen!
Wo soll ich hin? Sag du's mir, Grauchen!"

Der Esel wusste Rat fürs Kätzchen.
"Komm mit nach Bremen, Schnurreschätzchen,
du kannst miau im Mondschein singen
und dich als Musikant verdingen!"
Die Katze maunzte: "Ich geh mit!",
und somit waren sie zu dritt.

Nun kamen die besagten drei
an einem Bauernhof vorbei,
da saß der Haushahn auf dem Tor
und schrie im tönendsten Tenor.
"Was hast du?", rief das Eselein.
"Du krähst uns ja durch Mark und Bein!"
"Da hab ich bis zur Heiserkeit
der Frau gut Wetter prophezeit,
damit sie immer wusste, wann
sie weiße Hemdchen waschen kann,
und dennoch kennt sie kein Erbarmen",
verriet der Hahn. "Sie steckt mich Armen
am Sonntag in den Suppentopf!"
"Geh mit uns fort, du roter Schopf!",
empfahl der Esel auch dem Hahn.
"Du hast ein kräftiges Organ.
In Bremens Stadtkapelle fehlt
gewiss ein Kerl, der hübsch krakeelt!"

Der Hahn, dem nicht nach Sterben war,
fand diesen Vorschlag wunderbar.
So war das lustige Quartett
der Musikanten nun komplett.

(...)

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