Das Kaffee-Zitat

Im Jahre siebzehnhundertneunzig
begab ein Komponist plus Freund sich
auf eine Reise, seine letzte
und zu dem Zwecke angesetzte,
um Kaiser Leopold, den Zweiten,
zu seiner Krönung zu begleiten.
Besagter via Kutschverkehr
passier'nder Überwinder der
Wien-Frankfurt-und-retour-Distanz
war Mozart (und sein Schwager Franz).

Er tat die Fahrt auf eig'ne Kosten:
Der Hofkapellmaestroposten
war in Salieris festen Händen,
mehr Reisegelder zu verschwenden
sah Kaiser Leopolds Etat
nicht vor für Künstler wie den k.
und k.'schen Kammerkomponist,
der Amadé gewesen ist.

Weshalb der arme Virtuose
sein Silber von der Zuckerdose
bis zum Besteck zum Pfandhaus trug,
damit er finanziell genug
gerüstet war, das Unternehmen
in einem eigenen, bequemen,
doch teuren Wagen zu erleben.

„Ich möchte ihm ein Busserl geben!“
schreibt Mozart heim an Frau Constanze
und schwärmt davon, daß er die ganze
Entfernung bis nach Sachsenhausen
(trotz eingelegter Ruhepausen)
bewältigt hat in knapp sechs Tagen.

„Wir stärkten uns'ren teuren Magen
zu Würzburg“ heißt es „mit Kaffee“,
das, meinte Wolfgang Amadé,
sei eine „schöne, prächt'ge Stadt“.
Nürnberg, wo er gefrühstückt hat,
sei häßlich, und Aschaffenburg
fiel wegen schlechter Zehrung durch.

Obwohl in Frankfurt zu den Zeiten
der Kaiserkrönungsfestlichkeiten
das kulturelle Angebot
spektakulär war und dort Rot-
und Weißwein aus den Brunnen flossen,
hat Mozart all das nicht genossen,
denn in Bezug auf einen Job
entpuppte sich der Trip als Flop.

Am Ende hatte Mozart Schulden
in Höhe von fünfhundert Gulden -
doch dementsprechend viel Karat
hat's Würzburger Kaffee-Zitat!

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