Sankt Kilian, Würzburgs Schutzpatron

Seit dreizehnhundert Jahren schon
wird hier ein frommer Ordensmann
aus Irland namens Kilian
als erster Heiliger verehrt.
Als Statue mit gold'nem Schwert
heut auf der Brücke stationiert
und tausendfach fotographiert,
fehlt er in keinem Würzburg-Buch,
obwohl sein hiesiger Besuch
ein böses Ende für ihn nahm:

Sechshundertsechsundachtzig kam
der Wandermönch in uns're Stadt,
mit den Gefährten Kolonat
und Totnan, und die strengen Iren
begannen hier zu missionieren.
Die Franken war'n noch halbe Heiden,
sie dienten vorsichtshalber beiden
der Religionen – alt und neu,
war'n den Germanen-Göttern treu
und beteten zur gleichen Zeit
zur christlichen Dreifaltigkeit.

In Sachen Heirat herrschte auch
im Frankenland ein alter Brauch,
der gegen Kirchenrecht verstieß:
Die „Schwagerehe“, und das hieß,
wenn eines Mannes Bruder starb,
er dessen Hab und Gut erwarb,
was auch für Frau und Kinder galt,
damit für deren Unterhalt
gesorgt war und was wert und lieb,
Besitztum der Familie blieb.

Doch nach der reinen Christenlehre
war diese Lebensform als schwere
Moralverfehlung nicht erlaubt.
Auch Gozbert, Würzburgs Oberhaupt,
war mit der Schwägerin liiert,
und das hat Kilian kritisiert.
Zwecks kirchlicher Konfliktvermeidung
empfahl er Gozbert schnellste Scheidung.

Der Herzog zögerte wohl noch,
Gailana, seine Frau jedoch,
die alles zu verlieren hatte,
ließ jene drei, kaum war ihr Gatte
in einen Krieg gerufen worden,
von Koch und Kastellan ermorden.
Die Leichname, auch Kilians Kelch,
hat man, um zu vertuschen, welch
Verbrechen hier begangen ward,
in einem Pferdestall verscharrt
und Herzog Gozbert vorgelogen,
die Mönche seien fortgezogen.
Was wirklich mit den Missionaren
passiert ist, hat er nie erfahren.
Gailana aber, wie es heißt,
befiel darauf ein böser Geist,
so daß sie schon nach kurzer Frist
vor Gram und Qual gestorben ist.
Die Mörder haben sich am Ende
selbst umgebracht, sagt die Legende.

Die Wahrheit über Tat und Täter
trat dreiundsechzig Jahre später
zu Tage, als am Tatort Pferde
durch Hufescharren in der Erde
den Weg zum Grab der Iren wiesen.
So ist das große Blutvergießen
im Nachhinein ans Licht gekommen.
Der Bischof Burkard hat die Frommen
posthum zu Märtyrern gemacht
und zum Marienberg gebracht,
wo seine Bischofskirche lag.
Seitdem wird dieser heil'ge Tag,
der achte Juli, hierzuland
„Kiliani“ ihm zur Ehr genannt.

Am Ort der Kilians-Passion
erbaute man den ersten Dom
und führte den Reliquienschatz
zurück an seinen Ursprungsplatz.
Zu dieser Translation des Schreins
zur Stadt und Südseite des Mains,
wo heute das Neumünster ist,
kam jeder gottesfürcht'ge Christ,
es gab selbst kaiserlichen Segen,
denn Karl der Große war zugegen.

Die Stätte vom Drei-Mönche-Mord
wurd' ein berühmter Wallfahrtsort,
ein Ort voll wundersamer Kraft,
der Kranken Besserung verschafft,
der Trost in bittren Zeiten spendet
und Kreuz und Leid zum Guten wendet.
Heut ehrt man Würzburgs Schutzpatron
mit Gottesdienst und Prozession,
man feiert das Kiliani-Fest
mit Böllerschuß und Bier und läßt
die Straßenbahnen Fähnchen tragen:
Um Kilian Lob und Dank zu sagen.
 

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