Arie des Posega

„Niemals den Frauen trauen,
so lautet meine These.
Schön sind sie anzuschauen,
innerlich aber böse,
haben zwar Lippen aus Zuckerguß,
doch Gift enthält ihr Kuß!
Ja, mein Söhnchen, wehe dir,
du bist, versprichst die Ehe ihr,
für alle Zeit verloren
und deines Weibes Knecht.
Flieh es, so heißt die Kunde
von Fo aus meinem Munde,
flieh es, bleibe ungeschoren,
flieh es, das weibliche Geschlecht!“


Rezitativ und Arie des Orcano

„Irrtum und abermals Irrtum, das ist mein täglich Brot.
Allmählich fang ich an, an mir selbst zu zweifeln,
und daraus zieh ich folgende Konsequenz:
Der größte Irrtum ist meine Existenz!

Ich irr mich beim Sehen,
ich irr mich beim Hören,
ich kann's nicht verstehen,
egal, was ich mache,
ich haue im Leben
grundsätzlich daneben,
in jeglicher Sache,
in jeglichem Sinn.

Ich bin zu nichts nütze,
im Hirn hab ich Grütze,
mach niemals was richtig,
obwohl ich so tüchtig
und pflichtbewußt bin.
Ach, wo sind die Zeiten,
die Zeiten dahin?

Vorbei die frohen Stunden,
die mich mit Freunden verbunden,
die Harmonie, die Freiheit,
alles, das ist dahin,
seitdem ich Zeremonienmeister
hier bei Hofe bin.

Hoffnung auf reiches Leben
ließ mich das Amt erstreben,
so kam ich denn hier hin.
Empfangschef bin ich geworden,
Titel erhielt ich und Orden,
glaubte, als Zeremonienmeister
machte man Gewinn.

Die Freiheit ist verloren,
die Harmonie vergessen,
die Augen und die Ohren
'nem Irrtum aufgesessen,
die Lust ist mir vergangen,
ich seh nur Frust darin,
daß ich der Zeremonienmeister
hier bei Hofe bin!“

nach oben     zurück zu Khan Kublai